Die Grundstrategie kann sich je Segment unterscheiden: Als Orientierungsrahmen dienen Kostenführerschaft, Produktführerschaft, Preis-Wert-Strategie, Kundenvertrautheit und Systembindung. Das gewählte Wertversprechen wird anschließend mit Portfolio, Prozessen, Fähigkeiten und Führung abgeglichen. Widersprüchliche Anforderungen verschiedener Zielsegmente werden sichtbar, statt sie im Vertrieb zu verdecken. Erst dann lässt sich entscheiden, wie das Unternehmen die Versprechen im Alltag tatsächlich einlösen will.
Alltagsnahe Beobachtungen machen die Nutzenkriterien greifbar. Zeit kann die Spanne bis zu einer Preisaussage, Angebotserstellung, Lieferung oder Reaktion auf eine Beschwerde meinen. Beziehung umfasst erreichbare Ansprechpartner, Häufigkeit des Kontakts und die Nähe zur Kundenorganisation. Bei Qualität geht es darum, ob ein zugesagtes Leistungsversprechen ohne relevante Beeinträchtigung eingehalten wird. Diese Kriterien werden nicht pauschal für alle Kunden gleich bewertet.
Ein Segment kann eine schnelle Reaktion als unverzichtbar ansehen, ein anderes die Qualität der Beratung. Die Auswertung muss deshalb die jeweilige Erwartung sichtbar machen, bevor Leistungen priorisiert werden. Auch die Grundstrategien sind kein Ersatz für die Kundensicht: Kostenführerschaft, Produktführerschaft, Preis-Wert-Strategie, Kundenvertrautheit und Systembindung beschreiben unterschiedliche Wege, ein Segment zu bedienen.
Im Anschluss prüfen wir, welche Prozesse und Fähigkeiten nötig sind, um die gewählte Value Proposition einzulösen. Gerade wenn mehrere Segmente unterschiedliche Versprechen erhalten, können innere Zielkonflikte entstehen. Ein Vertrieb darf dann nicht allein nach seiner bisherigen Produktlogik steuern, während Leistungserbringung und Service das neue Versprechen nicht kennen. Die Segmentierung schafft einen gemeinsamen Bezugsrahmen für diese Entscheidungen.
Für die Umsetzung der Segmentierung reicht eine neue Tabelle im Vertrieb nicht aus. Wir verbinden Zielkundensegmente mit einer Strategy Map und mit Entscheidungen über Prozesse, Kundenmanagement sowie Lernen und Entwicklung. Eine Segmententscheidung kann beispielsweise Anforderungen an Reaktionszeiten, Servicebeziehungen oder Kompetenzen verändern.
Wir besprechen deshalb mit den Verantwortlichen, welche Teile des bisherigen Geschäftsmodells für ein gewähltes Segment passen und wo Widersprüche entstehen. Auch ein bewusst nicht priorisiertes Segment ist eine strategische Entscheidung: Es macht Ressourcen für jene Kunden frei, deren Erwartungen das Unternehmen mit seinen Fähigkeiten besonders gut erfüllen kann. Die Rückmeldungen aus Markt und Kundenkontakt dienen anschließend dazu, das Beobachtungsraster und die Wertversprechen zu überprüfen, statt Segmente als dauerhaft feste Schubladen zu behandeln.