
Fachartikel
Beratung China: Leistungspaket, Talente und Fachkräfte
Beratung für Unternehmen mit China-Bezug: interkulturelle Zusammenarbeit, Büro in Shanghai sowie Rekrutierung und Entwicklung von Talenten vor Ort.
Mehr lesenKompetenzentwicklung von Lehrkräften und Veränderung im Bildungssystem: Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit der ECNU in Shanghai.


Wie kommt eine Bildungsreform tatsächlich im Unterricht an?
Welche Rolle brauchen Lehrkräfte, wenn sie Lernen begleiten statt Wissen nur zu vermitteln?
Wie lassen sich Kompetenzen an realen Situationen aus dem Schulalltag üben?
Eine Bildungsreform erreicht den Unterricht erst, wenn sich auch Rolle und Haltung der Lehrkräfte, die Zusammenarbeit im Kollegium und die Entscheidungswege von Schulen und Verwaltung verändern. transformis hat diese Fragen über mehrere Jahre in China bearbeitet: in der Forschungskooperation mit der East China Normal University (ECNU) in Shanghai, in Pilotprojekten der Lehrkräftefortbildung und in einem Reformprogramm des chinesischen Bildungsministeriums.
Im Juli 2013 haben die East China Normal University und transformis in Shanghai ein gemeinsames Forschungszentrum für systemische Veränderungen und Innovationen mit Informations- und Kommunikationstechnologien gegründet. Es untersucht, wie digitale Werkzeuge Veränderungsprozesse im Schulsektor wirksam unterstützen. Kooperationspartner des Distance Education Research Center der ECNU war transformis bereits seit Ende 2012.
Am 5. Juli 2013 wurde Robert A. Sedlák zum Gastprofessor der ECNU berufen, zunächst für fünf Jahre. Seine Vorlesungen ab Dezember 2013 führten Studierende, darunter Promovierende, in die Neuere Systemtheorie ein: Organisationen als soziale Systeme, Entscheidungen als zentrale Ereignisse, relevante Umwelten und vorausschauende Selbsterneuerung.
Das erste gemeinsame Forschungsprojekt galt 2013 dem Kompetenzcluster Coaching. Lehrkräfte sollten Schülerinnen und Schüler als Lerncoach begleiten, und das kollegiale Coaching im Kollegium sollte professionalisiert werden. Untersucht wurde auch, wie diese Rolle unter den kulturellen und sozioökonomischen Bedingungen in China ausgestaltet werden muss.
Für das 2014 auf den Weg gebrachte Reformprogramm „Technology Changes Teaching“ des chinesischen Bildungsministeriums entwickelte transformis mit Bildungsexperten der ECNU einen Performance Simulator. 14 videobasierte Simulationen zeigen kritische Situationen beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Der Simulator wurde für die landesweite Bereitstellung über Learning-Management-Systeme übergeben.
Seit April 2012 kooperierte transformis mit dem Shanghai Pudong Institute of Education Development (PIED), dem ersten regionalen Forschungs- und Fortbildungsinstitut für Pädagogen in China. Ziel war eine Plattform für den internationalen Austausch im Bildungssektor. Zum Auftakt beteiligten sich mehr als 70 Prozent der 250 Lehrkräfte und Führungskräfte des Instituts an einer Online-Befragung; 80 von ihnen sagten Interviews und Workshops zu. Die Erhebung sollte die Bedarfe für Kompetenztrainings klären; 2014 kamen die Simulationen am PIED in Pilotprojekten zum Einsatz.
Am Songjiang Teachers Training College, das die Fortbildung von 8.000 Lehrkräften im Bezirk Songjiang verantwortet, begann im Oktober 2013 ein zweites Pilotprojekt. transformis entwickelte dafür eine chinesischsprachige Lernplattform und die chinesische Fassung des Performance Simulator „Führen im Unterricht“. Am Auftakt am 15. Januar 2014 nahmen 40 junge Lehrkräfte aus Kindergärten, Grund- und Mittelschulen und Gymnasien teil; die Rollenspiele lösten intensive Diskussionen über schülerorientiertes Handeln und Lehrplanvorgaben aus.
Im April 2015 begleitete transformis Fachleute des PIED nach Deutschland. In Hamburg diskutierten sie am 21. April mit der Leadership Foundation for Professional Education and Global Learning, wie sich Veränderungen an Schulen einleiten lassen. Am 23. April informierten sich sieben Delegierte bei der Robert Bosch Stiftung in Berlin über die Lehrerbildung in Deutschland und den Deutschen Schulpreis.
Im zweiten Projekt des Forschungszentrums, der Initiative „Smart Education China“, untersuchten transformis und die ECNU die berufliche Qualifikation chinesischer Schul- und Hochschulabsolventen. Im Herbst 2015 gingen 218 Datensätze deutscher Unternehmen in China in die Auswertung ein. Die größten Abstände zwischen Bedeutung und Erfüllung zeigten sich nicht beim Fachwissen, sondern bei sozialen, persönlichen und methodischen Kompetenzen, etwa beim Verantwortungsbewusstsein und bei der Problemlösekompetenz.
Die Ergebnisse wurden 2016 auf der Sino HR Konferenz vorgestellt und 2017 zu einem Studienbericht ausgearbeitet. 2018 erschien eine Zusammenfassung im German Chamber Ticker, 2019 legte die ECNU die Studie dem chinesischen Bildungsministerium als Forschungsgrundlage vor. Eine Folgestudie mit Interviews junger chinesischer Fachkräfte ergänzte die Perspektive der Absolventen; beide Untersuchungen erschienen im November 2021 im wissenschaftlichen Journal der ECNU.
Die Projekte in China zeigen einen Zusammenhang, der nicht an ein Land gebunden ist: Veränderungen im Unterricht verlangen ein verändertes Selbstverständnis der Schule und ein verändertes Selbstbild der Lehrkräfte. Neue Technik oder neue Vorgaben allein reichen dafür nicht aus. Robert A. Sedlák beschrieb 2013, dass Veränderungsprozesse gerade im Bildungssektor immer wieder auf organisational bedingte Widerstände treffen.
Aus der Arbeit mit der ECNU und den Fortbildungsinstituten stammen Fragen, die eine Bildungseinrichtung oder Verwaltung vor einer Veränderung klären kann: Welche Situationen im Schulalltag entscheiden darüber, ob eine Reform wirkt? Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte dafür, und wie lassen sich diese an realen Situationen üben und reflektieren? Wie wird kollegiale Zusammenarbeit Teil der Organisation? Die beschriebenen Projekte geben den Stand ihrer Durchführung wieder. Ob und in welcher Form eine Zusammenarbeit heute sinnvoll ist, klären wir im Gespräch über die konkrete Aufgabe.

Fachartikel
Beratung für Unternehmen mit China-Bezug: interkulturelle Zusammenarbeit, Büro in Shanghai sowie Rekrutierung und Entwicklung von Talenten vor Ort.
Mehr lesen
Fachartikel
Studie von transformis und ECNU: Was deutsche Unternehmen in China 2015 von Absolventen erwarteten und welche Kompetenzen im Arbeitsalltag fehlten.
Mehr lesen
Grundlagen
Organisationen als soziale Systeme verstehen: Strategie, Kommunikation und Entscheidungen im Zusammenhang betrachten.
Mehr lesenSeit 2013 betreiben die East China Normal University und transformis in Shanghai ein gemeinsames Forschungszentrum. Am 5. Juli 2013 wurde der Kooperationsvertrag unterzeichnet und Robert A. Sedlák zum Gastprofessor der ECNU berufen. Bereits Ende 2012 war transformis Kooperationspartner des Distance Education Research Center der Universität, mit dem Ziel, einen Performance Simulator für die Qualifizierung von Lehrkräften zu entwickeln.
Ein computer- und mediengestütztes Training, in dem Lehrkräfte kritische Situationen aus dem Schulalltag als Videoszenen sehen, Handlungsalternativen bewerten und ihre Entscheidungen reflektieren. Für das Reformprogramm „Technology Changes Teaching“ des chinesischen Bildungsministeriums entstanden 14 Simulationen zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht, entwickelt von Bildungsexperten mehrerer Universitäten unter der Leitung von Prof. Dr. Zhiting Zhu und Robert A. Sedlák.
Die Erhebung unter deutschen Unternehmen in China aus dem Herbst 2015 mit 218 Datensätzen zeigte die größten Lücken bei sozialen und persönlichen Kompetenzen. Verantwortungsbewusstsein hielten 92 Prozent für bedeutend, erfüllt sahen es 58 Prozent; bei der Problemlösekompetenz standen 91 Prozent Bedeutung 53 Prozent Erfüllung gegenüber. Die ECNU legte die Studie 2019 dem chinesischen Bildungsministerium vor.
Aus der Kooperation mit dem Shanghai Pudong Institute of Education Development, die im April 2012 begann. Im April 2015 begleitete transformis Fachleute des Instituts nach Deutschland: zu einem Workshop mit der Leadership Foundation for Professional Education and Global Learning in Hamburg und zur Robert Bosch Stiftung in Berlin, wo Lehrerbildung und Deutscher Schulpreis im Mittelpunkt standen.
Die beschriebenen Projekte geben den Stand ihrer Durchführung zwischen 2012 und 2021 wieder. Ob und in welcher Form eine Zusammenarbeit mit einer Bildungseinrichtung oder Verwaltung heute sinnvoll ist, klären wir im Gespräch über die konkrete Aufgabe. Den Performance Simulator setzen wir auch in Unternehmen ein; Werkzeug, Nutzungsrechte und technische Umsetzung werden für jeden Auftrag geprüft.
Im Gespräch klären wir, welche Entscheidungen anstehen und welche Perspektiven für die weitere Arbeit benötigt werden.


Sprechen wir über Ihre Situation und das, was Sie in Ihrer Organisation weiterentwickeln möchten.