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Chemieindustrie im Mittelstand: Kurswechsel auf rauer See
Wie mittelständische Chemieunternehmen unter dauerhaft schwierigen Rahmenbedingungen Kosten senken, investieren und sich neu ausrichten.
Mehr lesenDrei strategische Grundkonzepte im Vergleich und die Grundstrategien, die sich daraus für Kundensegmente ableiten: Ziele, Prozesse, Mitarbeitende, Organisation und Kultur.
Strategische Positionierung lässt sich aus drei Blickwinkeln denken: aus dem Wettbewerb (Porter), aus dem Kundennutzen (Treacy/Wiersema) und aus der Kundenbindung (Hax mit dem Delta-Modell). Die Hintergrundinformation stellt die drei Grundkonzepte nebeneinander und leitet daraus fünf Grundstrategien für Kundensegmente ab, von der Kostenführerschaft bis zur Systembindung. Für vier von ihnen zeigt sie, was die Wahl für Finanzziele, Nutzenversprechen, Kernprozesse, Mitarbeitende, Organisation und Kultur bedeutet und wo ihre Risiken liegen. transformis nutzt diese Übersicht in der Strategieentwicklung, um Positionierungen eindeutig zu machen.
Michael E. Porter beschreibt zwei Grundtypen von Wettbewerbsvorteilen: Kostenführerschaft und Differenzierung. Kombiniert mit der Frage, ob ein Unternehmen den Gesamtmarkt oder eine Nische bedient, ergeben sich vier Positionen: Kostenführerschaft, Differenzierung, Kostenfokus und Differenzierungsfokus.
Im Mittelpunkt steht der Wettbewerber. Ziel ist ein nachhaltiger Vorsprung durch eine geeignete Position innerhalb der Wertschöpfungskette der Branche. Die Aktivitäten der internen Wertkette tragen zur relativen Kostenposition bei und können eine Differenzierungsbasis schaffen. Die Leitfrage lautet: Wie kann ich im Vergleich zum Wettbewerb einen nachhaltigen Vorsprung sichern?
Michael Treacy und Fred Wiersema setzen beim Kundennutzen an. Kundenerwartungen lassen sich nach ihrer Beobachtung in drei Grundcluster zusammenfassen: das beste oder innovativste Produkt, die maßgeschneiderte Kundenlösung und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis über den Produktlebenszyklus. Daraus ergeben sich drei Nutzenstrategien: Produktführerschaft, Kundenvertrautheit und Operationale Exzellenz.
Ziel ist es, in der gewählten Strategie „best in class“ zu sein. Jede Nutzenstrategie stellt andere Kernprozesse in den Mittelpunkt und liefert wesentliche Entscheidungsprämissen für das operative Geschäft. Ist die Strategie nicht eindeutig, führt das zu erheblichen Reibungsverlusten, weil die Organisation ständig Widersprüche bewältigen muss.
Arnoldo C. Hax geht einen Schritt weiter. Produkt- und Wettbewerbsorientierung führen aus seiner Sicht zur Commoditisierung. Im Delta-Modell rückt deshalb die Kundenbindung in den Mittelpunkt, betrachtet über das Unternehmen hinaus als „extended enterprise“ mit Kunden, Lieferanten und Ergänzungsanbietern.
Der Lösungsweg ist die Loslösung von der Produktorientierung hin zur Total Customer Solution. So lässt sich die Commoditisierung vermeiden und die Kundenbindung erhöhen, wenn möglich durch Wechsel- und Eintrittsbarrieren (System Lock-In). Ein Unternehmen muss dafür in der Lage sein, für unterschiedliche und widersprüchliche Kundenbedarfe gleichermaßen wettbewerbsfähige Lösungen anzubieten. Die Leitfrage lautet: Wie kann ich den Kunden durch ein attraktives und individuelles Leistungspaket binden?
Die drei Konzepte schließen einander nicht aus, sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Porter blickt auf den Wettbewerber, Treacy/Wiersema auf den Kundennutzen, Hax auf Kunden und das erweiterte Unternehmen. Entsprechend verschieben sich Ziel, Leitfrage und Lösungsparadigma: vom nachhaltigen Vorsprung über „best in class“ in einer Nutzenstrategie bis zur Kundenbindung durch individuelle Leistungspakete.
Für die Strategieentwicklung ist der Vergleich nützlich, weil er die Annahmen hinter einer Positionierung sichtbar werden lässt. Wer etwa über Preis und Produkt konkurriert, obwohl Kunden eine Gesamtlösung erwarten, verliert Kundenbindung, ohne es zu bemerken.
01Porter
Fokus Wettbewerber. Nachhaltiger Vorsprung durch Kostenführerschaft oder Differenzierung, im Gesamtmarkt oder in der Nische.
02Treacy/Wiersema
Fokus Kundennutzen. „Best in class“ in einer Nutzenstrategie: bestes Produkt, beste Gesamtkosten oder beste Komplettlösung.
03Hax (Delta-Modell)
Fokus Kunden und „extended enterprise“. Kundenbindung durch Total Customer Solution und, wenn möglich, System Lock-In.

Aus den drei Konzepten leitet transformis fünf Grundstrategien ab, geordnet nach ihrem Kundenbindungspotenzial. Kostenführerschaft zielt in einer undifferenzierten Produktkategorie darauf, der günstigste Anbieter am Markt zu sein. Produktführerschaft entwickelt Produkte, die bestehende Leistungsgrenzen überschreiten und einen Premiumpreis rechtfertigen. Die Preis-Wert-Strategie (Operational Excellence) bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis über den gesamten Nutzungszeitraum. Kundenvertrautheit bietet einzelnen Kunden die beste, individuell maßgeschneiderte Gesamtlösung. Systembindung schließlich erzeugt hohe Wechselkosten durch exklusive Distributionskanäle, dominante Marktplätze oder geschützte Standards.
Das Kundenbindungspotenzial ist bei der Kostenführerschaft am geringsten und bei der Systembindung am höchsten. Unterschiedliche Kundensegmente können unterschiedliche Grundstrategien verlangen.
01Kostenführerschaft
Der günstigste Anbieter in einer undifferenzierten Produktkategorie. Geringstes Bindungspotenzial.
02Produktführerschaft
Produkte, die bestehende Leistungsgrenzen überschreiten und einen Premiumpreis rechtfertigen.
03Preis-Wert-Strategie
Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis über den gesamten Nutzungszeitraum (Operational Excellence).
04Kundenvertrautheit
Die beste, individuell maßgeschneiderte Gesamtlösung für einzelne Kunden.
05Systembindung
Hohe Wechselkosten durch exklusive Kanäle, dominante Marktplätze und geschützte Standards. Höchstes Bindungspotenzial.
Jede Grundstrategie folgt einer eigenen wirtschaftlichen Logik. Der Kostenführer erzielt Margen auf Basis der niedrigsten Kosten und verspricht den günstigsten Preis; sein Kernprozess sind Produktion und Logistik. Der Produktführer erzielt hohe Produktmargen durch Alleinstellung und verspricht das beste Produkt als erstes am Markt; sein Kernprozess sind Innovation und Vermarktung. Die Preis-Wert-Strategie erzielt Margen über einen attraktiven Leistungsmix auf Basis interner Standardisierung und verspricht die besten Gesamtkosten über den Lebenszyklus. Kundenvertrautheit setzt auf profitables Wachstum durch Kundenintegration und verspricht die beste individuelle Komplettlösung; ihr Kernprozess ist das Kundenmanagement.
Daraus folgen unterschiedliche Anforderungen an die Prozesse: hocheffiziente, standardisierte und ständig optimierte Abläufe bei Kostenführerschaft und Preis-Wert-Strategie, schnelle Ideenauswahl und gut getimte Markteinführungen bei der Produktführerschaft, eine Lösungsentwicklung von der Bedürfniserkennung bis zum Ergebnismanagement bei der Kundenvertrautheit.
Die Grundstrategie prägt auch, welche Menschen, Strukturen und Spielregeln ein Unternehmen braucht. Kostenführerschaft und Preis-Wert-Strategie verlangen zuverlässige Mitarbeitende, klare Standards, zentralisierte Funktionsbereiche und eine Kultur, in der Verschwendung verpönt ist und Effizienz belohnt wird. Produktführerschaft lebt von kreativen, talentierten Mitarbeitenden, wenig Bürokratie und einem Management, das Entscheidungen unter großem Risiko trifft; Fehler beim Experimentieren werden nicht bestraft. Kundenvertrautheit braucht Mitarbeitende mit außergewöhnlichem Gespür für Kundenbedarfe, unternehmerisch denkende Kundenteams mit delegierten Entscheidungsbefugnissen und eine Kultur, die in andauernde, vertrauensvolle Kundenbeziehungen investiert.
Gerade hier zeigt sich, warum eine Strategie eindeutig sein muss: Die Anforderungen der Grundstrategien widersprechen sich teilweise. Ein Unternehmen, das alles zugleich sein will, schafft Reibung in Organisation und Kultur.
Jede Grundstrategie hat eigene Risiken. Kostenführerschaft führt zu standardisierten Angeboten und intensiver Rivalität, ständigen Preiskämpfen; in einer Branche kann nur ein Unternehmen Kostenführer sein, und sie lohnt sich nur bei echten Commodities. Produktführer werden nachgeahmt, sobald ein differenziertes Produkt im Markt ist, und müssen den Sprung zu neuen Marktfeldern und Technologien immer wieder schaffen. Bei der Preis-Wert-Strategie erhöht Vielfalt die Gesamtkosten; die Überbetonung einzelner Differenzierungsmerkmale untergräbt die Standardisierbarkeit der Prozesse. Bei der Kundenvertrautheit eignet sich der Kunde das Wissen des Anbieters an, deshalb muss dieser ständig neue, ungenutzte Potenziale beim Kunden aufspüren. Sie erfordert einen langen Atem und einen echten Paradigmenwechsel hin zu Lösungen.
Porter denkt Strategie vom Wettbewerber her und unterscheidet Kostenführerschaft und Differenzierung. Treacy und Wiersema denken vom Kundennutzen her und unterscheiden drei Nutzenstrategien. Hax denkt von der Kundenbindung her und empfiehlt, sich von der Produktorientierung zu lösen und Gesamtlösungen bis hin zur Systembindung anzubieten.
transformis unterscheidet fünf Grundstrategien: Kostenführerschaft, Produktführerschaft, Preis-Wert-Strategie (Operational Excellence), Kundenvertrautheit und Systembindung. Sie unterscheiden sich vor allem im Kundenbindungspotenzial, das bei der Kostenführerschaft am geringsten und bei der Systembindung am höchsten ist. Verschiedene Kundensegmente können verschiedene Grundstrategien verlangen.
Jede Grundstrategie stellt andere Kernprozesse in den Mittelpunkt und verlangt eigene Mitarbeitende, Strukturen und Kultur. Diese Anforderungen widersprechen sich teilweise. Ist die Strategie nicht eindeutig, muss die Organisation ständig Widersprüche bewältigen. Das kostet Energie, verlangsamt Entscheidungen und schwächt die Positionierung gegenüber Kunden und Wettbewerb.
Kundenvertrautheit heißt, einzelnen Kunden die beste, individuell maßgeschneiderte Gesamtlösung zu bieten. Unternehmen mit dieser Strategie investieren in potenzialträchtige Kundenbeziehungen, kennen die Geschäftsprozesse ihrer Kunden genau und übernehmen einen Teil der Risiken. Sie brauchen einen langen Atem und müssen beim Kunden ständig neue Potenziale entdecken.
Kostenführerschaft lohnt sich nur bei echten Commodities, also undifferenzierten Produkten, bei denen Kunden allein nach dem Preis entscheiden. In einer Branche kann nur ein Unternehmen Kostenführer sein. Wer diese Position anstrebt, muss alle internen Kostenfaktoren beherrschen und auf zusätzliche Wettbewerbsdimensionen wie Service konsequent verzichten.
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