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Humanvermögen sichern: Warum Personalverfügbarkeit eine Strategiefrage ist

Warum Mitarbeitende aus systemischer Sicht zur Umwelt der Organisation gehören, wie Menschen und Operationen gemeinsam Performance erzeugen und wie aus der Unternehmensstrategie eine Workforce- und HR-Strategie wird.

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Berater von transformis ordnet Haftnotizen an einer Fensterfront

Humanvermögen sichern heißt, dafür zu sorgen, dass einem Unternehmen langfristig die Menschen mit den Kompetenzen zur Verfügung stehen, die seine Strategie braucht. Aus systemischer Sicht ist das keine Selbstverständlichkeit. Mitarbeitende liefern die Handlungen einer Organisation, gehören aber nicht zu ihr selbst, sondern zu ihren Umwelten. Sie kommen und gehen, und ihre Kompetenzen, ihr Charakter und ihre Einstellungen bestimmen die Qualität der Handlungen. transformis fasst den Zusammenhang in einer Formel: Menschen × Operationen = Performance. Daraus folgt eine Workforce-Strategie, die zwischen Unternehmensstrategie und HR-Strategie vermittelt.

Das nehmen Sie mit

  • Mitarbeitende liefern die Handlungen einer Organisation, gehören systemisch aber zu ihren Umwelten. Ihre Verfügbarkeit ist nicht garantiert.
  • Menschen × Operationen = Performance: Kompetenzen und Abläufe wirken nur gemeinsam.
  • Die Workforce-Strategie übersetzt die Unternehmensstrategie in Kompetenzen, strategische Jobgruppen und Personalverfügbarkeit.
  • Funktionsbeschreibungen, Soll-Ist-Abgleich und Entwicklung nach 70:20:10 machen die Strategie personell umsetzbar.

Warum gehören Mitarbeitende zur Umwelt der Organisation?

Die Antwort verlangt einen Paradigmenwechsel, vergleichbar mit der Frage, ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel ist. Nach systemischem Verständnis sind Organisationen soziale Systeme und operativ geschlossen. Ihr Basiselement ist Kommunikation. Im Fokus stehen nicht Subjekte, Objekte oder Handlungen. Handlungen lassen sich aber über Kommunikationsereignisse rekonstruieren, und nur über Kommunikation lassen sich die Verhaltensweisen unterschiedlicher Akteure miteinander koppeln.

Organisationen sind zudem autopoietische Systeme: Sie verhalten sich selbstbezogen und reproduzieren sich selbst. Die Vorstellung, dass die Umwelt einer Organisation automatisch die wesentlichen Anstöße für ihre Entwicklung gibt, trägt deshalb nicht. Zu diesen Umwelten gehören Kunden, Lieferanten, Wettbewerb, Banken und die Stadt, und ebenso die Mitarbeitenden. Sie liefern die Handlungen, sind aber nicht Bestandteil der Organisation selbst.

Was folgt daraus für den langfristigen Unternehmenserfolg?

Wenn Mitarbeitende Umwelt sind, ist ihre Verfügbarkeit nicht garantiert. Sie gehen ins Unternehmen hinein und wieder hinaus. Als Akteure im System sorgen sie für die notwendigen Handlungen, und ihre Kompetenzen, ihr Charakter und ihre Einstellungen beeinflussen die Qualität dieser Handlungen. Ein Unternehmen, das seinen Erfolg langfristig absichern will, muss deshalb gezielt klären, welches Humanvermögen es braucht und wie es dieses gewinnt, entwickelt und hält.

Das geschieht über Entscheidungen, das wichtigste kommunikative Ereignis in einer Organisation. Entscheidungen betreffen Personen, Prozesse, Beobachtungs- und Bewertungsraster, Kommunikationsstrukturen, Routinen und Themen. Zweckprogramme folgen dem Muster „um … zu“, Konditionsprogramme dem Muster „wenn … dann“. Personalentscheidungen sind damit eine von mehreren Stellschrauben und wirken mit den anderen zusammen.

Was bedeutet Menschen × Operationen = Performance?

Die Formel verbindet zwei Seiten. Auf der Seite der Menschen stehen Kompetenzen, Potenziale, Leistungskraft, Einstellung und Charakter, Prinzipien und Werte sowie die persönliche Disposition. Auf der Seite der Operationen stehen Prozesse, Routinen, Programme, Beobachtungs- und Bewertungsraster und Strukturen. Aus ihrem Zusammenwirken entsteht Performance, die sich in Ergebnissen wie Umsatz, Ertrag, Produktivität, Marktanteil, Innovation und Kundenzufriedenheit zeigt. Beeinflusst wird das Ganze von der Strategie und den Cultributes.

Als Produkt gelesen heißt das: Keine Seite ersetzt die andere. Humanvermögen zu sichern ist deshalb keine reine HR-Aufgabe, sondern gehört zur Gestaltung der Organisation.

Welche Fähigkeiten muss ein Unternehmen unterscheiden?

transformis unterscheidet drei Arten. Capabilities sind organisationale Kernfähigkeiten: komplexe Problemlösungsmuster, die über viele Jahre und Jahrzehnte gelernt wurden und sich bei Produkten und Dienstleistungen bewährt haben. Sie sind von Personen unabhängig, bieten Kunden einen Nutzen, lassen sich auf unterschiedliche Problemlösungen übertragen und sind in der Regel nicht leicht zu kopieren.

Cultributes sind Enabler, die die Strategieumsetzung einer Organisation fördern. Das Kunstwort verbindet die englischen Wörter culture und tribute. Aus den notwendigen Cultributes lassen sich die Soll-Kompetenzen für Führungskräfte ableiten. Wie sich Cultributes erheben lassen, beschreibt der Beitrag zur Cultribute-Analyse.

Competencies schließlich sind das zur Verfügung stehende Wissen, Wollen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die eine Person in die Lage versetzen, ein bestimmtes Leistungsniveau zu erbringen. Die Kernaussage dazu lautet: Durch Kompetenzen entsteht Performance.

Beraterin von transformis moderiert eine große Arbeitsrunde
Beraterin von transformis moderiert eine große Arbeitsrunde

Wie hängen Unternehmens-, Workforce- und HR-Strategie zusammen?

Strategisches HR unterstützt die Linienführungskräfte bei der Personalarbeit und stellt passende Systeme zur Verfügung. Die Unterlage beschreibt dafür drei aufeinander aufbauende Ebenen mit je einer Leitfrage.

Die Business Strategy fragt: Was ist unsere Strategie? Dazu gehören die strategische Grundausrichtung, Wettbewerbsvorteile, Erfolgsfaktoren, strategische Herausforderungen und die Kernfähigkeiten des Unternehmens.

Die Workforce Strategy fragt: Welche Kompetenzen sind notwendig, um die Unternehmensstrategie umzusetzen? Was müssen die Mitarbeitenden verstehen, können, wollen und beitragen? Welche Funktionen und Jobgruppen haben strategische Bedeutung, und welche Personalverfügbarkeit gibt es dafür? Welche Grundregeln sind zu beachten, um die Strategie konsequent umzusetzen?

Die HR Strategy fragt: Was kann HR beitragen, um die Strategieumsetzung aktiv zu unterstützen? Die Antwort sind Systeme für Recruiting, Performancemanagement, Talentmanagement, Personalentwicklung, Incentives, Nachfolgeplanung und Halteprogramme. Wie sich aus strategischen Prozessen Jobfamilien und Prioritäten ableiten lassen, beschreibt der Beitrag zur Personalstrategie.

Wie wird aus der Strategie ein Anforderungsprofil?

Die Anforderungen an Jobfamilien und Schlüsselspieler münden in Funktionsbeschreibungen mit Kompetenzanforderungen, die auch künftige Anforderungen berücksichtigen. Das Vorgehen folgt einer Kette: eine mittelfristige Zielprojektion (das Was), Masterpläne (das Wie), Cultributes als Enabler für das Wie, daraus Kompetenzen und Anforderungsprofile, ein Soll-Ist-Abgleich bei Führungskräften und Mitarbeitenden und schließlich die Personalentwicklung.

Eine Funktionsbeschreibung als Grundlage der Einschätzung enthält fünf Teile: die Beitragserwartung auf Basis der Balanced Scorecard, die Hauptaufgaben, die fachlichen und die persönlichen Anforderungen sowie ein Kompetenzprofil mit Standard- und Spezialkompetenzen. Stärken und Entwicklungschancen werden danach entlang von vier Dimensionen ermittelt: Kompetenzen, Karrierestopper, Performance und Potenzial. Dabei gilt: Potenzial ist nicht Performance. Wie sich beides getrennt erfassen lässt, beschreibt das Whitepaper zu Potenzial und Performance.

Entwickelt wird nach dem 70:20:10-Konzept. 70 Prozent der Entwicklung finden in herausfordernden Aufgaben statt, in denen Wissen und Fähigkeiten im Kontext angewendet werden. 20 Prozent entfallen auf die Unterstützung des Lerntransfers durch Feedback, Coaching, Mentoring und Peer Groups, 10 Prozent auf die Erweiterung des Wissens durch Selbststudium, Training, Seminare und Literatur.

Welche Rolle spielt die Führung?

Leadership verbindet transformis mit Aufgaben, die Personen und etablierte Routinen gemeinsam bewältigen müssen. Dazu gehört, eine Identität und eine Zukunft zu schaffen, den Soll-Zustand zu definieren und die Soll-Ist-Abweichung zu thematisieren, für Fokussierung zu sorgen und Innen- und Außenperspektive gleichermaßen zu sehen. Ebenso gehören dazu, das Zaunreiten zu fördern, für Entscheidungsprogramme zu sorgen, Prozesse zu beschreiben und zu optimieren und die internen Spielregeln von Interaktion und Kommunikation festzulegen.

Für das Humanvermögen ist eine Aufgabe besonders direkt: die richtigen Leute holen und halten. Dazu kommen die passenden Beobachtungs- und Bewertungsraster, die Bestimmung der kulturellen Merkmale der Organisation und die Entwicklung von Reflexionsfähigkeit. Personalführung bleibt damit Aufgabe der Linie. HR berät und stellt die Systeme bereit.

Worauf beruht dieser Beitrag?

Grundlage ist die Hintergrundinformation „Sicherstellung der Verfügbarkeit des notwendigen Humanvermögens zur Absicherung des langfristigen Unternehmenserfolges“ (V 1.0), die 2014 entstand, als transformis noch SEDLÁK & PARTNER hieß. Die Teile zu Cultribute-Einschätzung, Kompetenzmodell, Potenzial und 70:20:10 tragen den Vermerk 2008. Die Unterlage enthält außerdem ein Steuerrad mit elf Schritten für die Entwicklung des HR-Bereichs, von der Prüfung der Rahmenbedingungen über Zukunftskonstruktion, Zielformulierung, Strategy Map und Kennzahlen bis zu Organisation und Implementierung.

Stand: Fachlich verantwortet: Robert A. Sedlák, Gründer und CEO transformis Consulting SE | Guest Professor ECNU Shanghai | Zertifizierter Business Mediator (MGesetz) | Leiter Kompetenzteam Familienunternehmen

Häufige Fragen

Was bedeutet Humanvermögen sichern?

Dafür zu sorgen, dass einem Unternehmen langfristig die Menschen mit den Kompetenzen zur Verfügung stehen, die seine Strategie braucht. Dazu gehört, zu klären, welche Funktionen strategisch wichtig sind, welche Personalverfügbarkeit es dafür gibt und wie das Unternehmen die passenden Menschen gewinnt, entwickelt und hält.

Warum gehören Mitarbeitende systemisch zur Umwelt der Organisation?

Weil Organisationen nach systemischem Verständnis aus Kommunikation bestehen und nicht aus Personen. Mitarbeitende liefern die Handlungen und sind Akteure im System, aber nicht Bestandteil der Organisation selbst. Sie kommen und gehen, wie Kunden, Lieferanten oder Banken ebenfalls Umwelten sind.

Was ist eine Workforce-Strategie?

Die Ebene zwischen Unternehmens- und HR-Strategie. Sie fragt, welche Kompetenzen die Strategie braucht, was Mitarbeitende verstehen, können, wollen und beitragen müssen, welche Funktionen und Jobgruppen strategische Bedeutung haben und welche Personalverfügbarkeit es dafür gibt.

Was ist der Unterschied zwischen Capabilities, Cultributes und Competencies?

Capabilities sind von Personen unabhängige Kernfähigkeiten der Organisation. Cultributes sind Enabler, die die Strategieumsetzung fördern. Competencies sind Wissen, Wollen, Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person. Aus den Cultributes lassen sich die Soll-Kompetenzen für Führungskräfte ableiten.

Was bedeutet Menschen × Operationen = Performance?

Performance entsteht aus dem Zusammenwirken von Menschen, mit ihren Kompetenzen, Potenzialen und Einstellungen, und Operationen, also Prozessen, Routinen, Programmen und Strukturen. Keine Seite ersetzt die andere. Sichtbar wird Performance in Ergebnissen wie Umsatz, Produktivität, Innovation und Kundenzufriedenheit.

Wer ist für die Sicherung des Humanvermögens verantwortlich?

Die Linienführungskräfte. Zu ihren Führungsaufgaben gehört, die richtigen Leute zu holen und zu halten. Strategisches HR unterstützt sie dabei und stellt Systeme für Recruiting, Talentmanagement, Personalentwicklung, Nachfolgeplanung und Halteprogramme bereit.

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