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Kognitive Fähigkeiten in der Personalauswahl: Was Tests zum Denkvermögen zeigen

Welche Bedeutung kognitive Fähigkeiten für die Leistung im Beruf haben, was Tests zum schlussfolgernden, strategischen und taktischen Denken messen und wie die Ergebnisse zu lesen sind.

5 Min. LesezeitStand:

Lange Arbeitstafel mit Laptops und Unterlagen in einem Workshop

Kognitive Fähigkeiten zeigen, wie gut eine Person Probleme löst, verborgene Zusammenhänge erkennt und aus Informationen vertretbare Schlüsse zieht. In der Personalauswahl sind sie ein wichtiger Hinweis auf die spätere Leistung. Die Fähigkeit, verschiedene Typen von Problemen zu lösen, hat nach den Ergebnisberichten, die transformis in der Personaleinschätzung verwendet, die größte Bedeutung für die Leistung am Arbeitsplatz. Ihr Einfluss wächst mit der Komplexität der Aufgabe. Ein Testwert ist trotzdem kein Urteil über einen Menschen. Er wird an einer Normgruppe eingeordnet und auf das Anforderungsprofil der Funktion bezogen. Der Beitrag erklärt zwei Verfahren: schlussfolgerndes Denken sowie strategisches und taktisches Denkvermögen.

Das nehmen Sie mit

  • Die Fähigkeit, verschiedene Typen von Problemen zu lösen, hat die größte Bedeutung für die Leistung am Arbeitsplatz, umso mehr, je komplexer die Aufgabe ist.
  • Testergebnisse werden an einer Normgruppe eingeordnet und sind Wahrscheinlichkeitsaussagen, keine Urteile über Personen.
  • Strategisches und taktisches Denken beschreiben unterschiedliche Stärken. Zusammen ergeben sie das kritische Denken.
  • Maßstab bleibt das Anforderungsprofil. Ein Test ist ein Baustein neben Gespräch, Arbeitsprobe und Rückmeldung.

Warum sind kognitive Fähigkeiten für die Personalauswahl wichtig?

Die Ergebnisberichte stellen eine Aussage an den Anfang: Die Fähigkeit, verschiedene Typen von Problemen zu lösen, ist die Eigenschaft mit der größten Bedeutung für die Leistung einer Person am Arbeitsplatz. Die Fähigkeit zum schlussfolgernden Denken sagt die Arbeitsleistung bei Aufgaben aller Schwierigkeitsgrade voraus. Ihre Auswirkung ist aber umso größer, je komplexer die Aufgabe ist.

Für die Auswahl heißt das: Je mehr eine Funktion an Problemlösung und Entscheidung verlangt, desto mehr Gewicht hat die Frage nach dem Denkvermögen. Welches Gewicht sie im Einzelfall bekommt, ergibt sich aus dem Anforderungsprofil.

Was misst ein Test zum schlussfolgernden Denken?

Der Test prüft, ob eine Person verborgene Zusammenhänge erfassen, Lücken ohne vorliegende Informationen füllen, Beziehungen zwischen Objekten entdecken und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Figuren erkennen kann. Gefragt ist logisches Schlussfolgern, nicht Fachwissen.

Das Ergebnis wird in drei Kategorien eingestuft, Maßstab ist eine Normgruppe. In dem Ergebnisbericht umfasst „niedrig“ die 16 Prozent der Normgruppe mit den niedrigsten Ergebnissen (0 bis 3 von 10 Punkten), „durchschnittlich“ die mittleren 68 Prozent (4 bis 6 Punkte) und „hoch“ die 16 Prozent mit den höchsten Ergebnissen (7 bis 10 Punkte). Ein Pfeil markiert, wo das Ergebnis der Person liegt.

Wie sind hohe, durchschnittliche und niedrige Ergebnisse zu lesen?

Personen mit hoher Punktzahl fällt es leicht, Aufgaben zu lösen, die logisches Schlussfolgern voraussetzen. Sie arbeiten sich vermutlich schnell in sehr unterschiedliche Aufgaben ein und erbringen dabei überdurchschnittliche Leistungen. Von ihren Vorgesetzten werden sie wahrscheinlich als effektiver erlebt als Personen mit niedrigeren Werten.

Personen mit durchschnittlicher Punktzahl haben eine durchschnittliche Fähigkeit, solche Probleme zu lösen. Sie eignen sich ihre Aufgaben wahrscheinlich in normalem Tempo an und zeigen durchschnittliche Leistungen.

Personen mit niedriger Punktzahl haben Schwierigkeiten mit Aufgaben, die logisches Schlussfolgern voraussetzen. Sie brauchen wahrscheinlich überdurchschnittlich viel Zeit, um Aufgaben zu lernen, und erbringen bei vielen Aufgaben schwächere Leistungen. Der Bericht hält aber ausdrücklich fest, dass sie eine niedrigere Punktzahl mit einem gewissenhaften Arbeitsstil ausgleichen können.

Die Formulierungen sind bewusst vorsichtig. „Vermutlich“ und „wahrscheinlich“ zeigen, dass ein Testwert eine Wahrscheinlichkeitsaussage ist und keine Gewissheit über eine Person.

Was unterscheidet strategisches, taktisches und kritisches Denken?

Das zweite Verfahren wurde speziell für Führungskräfte und Executives entwickelt. Es gibt Auskunft über das strategische und das taktische Denkvermögen und fasst beide zu einem Wert für kritisches Denken zusammen.

Strategisches Denken beschreibt die Fähigkeit, aktuelle Geschäftspraktiken aus strategischer Perspektive zu bewerten und zu verstehen, wie neue Trends und technologische Innovationen die künftige Geschäftsentwicklung beeinflussen. Personen mit hohen Werten konzentrieren sich auf langfristige Themen und finden Lösungen, die die Bedürfnisse unterschiedlicher Geschäftsbereiche verbinden. Sie erkennen neue Probleme schnell, wirken innovativ, neugierig und an Feedback interessiert und haben eine hohe Ambiguitätstoleranz.

Taktisches Denken beschreibt die Fähigkeit, aus vorhandenen Daten und Informationen vernünftige und vertretbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Personen mit hohen Werten konzentrieren sich auf kurzfristige Probleme, die sie nacheinander lösen. Sie antizipieren die Folgen von Entscheidungen und erkennen Hindernisse bei der Umsetzung. In Entscheidungsprozessen sind sie diszipliniert und wirken zuverlässig, präzise, detailorientiert und professionell.

Kritisches Denken beschreibt die Fähigkeit, komplexe Probleme zu erkennen und zu lösen: kurz- und langfristige Ziele auszubalancieren, Innovation mit Umsetzung zu verknüpfen, Annahmen zu erkennen, Agenden zu verstehen und Argumente zu beurteilen. Nach dem Bericht sagt kritisches Denken die allgemeine Leistungsfähigkeit für viele Berufe voraus.

Workshop mit Laptop im Vordergrund, im Hintergrund eine Präsentation
Workshop mit Laptop im Vordergrund, im Hintergrund eine Präsentation

Wie werden die Ergebnisse für Führungskräfte eingeordnet?

Die Werte werden als Perzentile berichtet und auf einer Skala von niedrig über niedrigen Durchschnitt bis hoch und sehr hoch eingeordnet. Die Norm des Verfahrens beruht nach dem Bericht auf einer Stichprobe von 2.500 MBA-Studierenden, Bewerberinnen und Bewerbern für leitende Funktionen sowie Leitungs- und Führungskräften. Ein Perzentilwert zeigt also, wie ein Ergebnis im Vergleich zu dieser Gruppe liegt, nicht im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.

Da strategisches und taktisches Denken unterschiedliche Stärken beschreiben, lohnt sich der Blick auf beide Teilwerte und nicht nur auf den Gesamtwert. Welche Ausprägung eine Funktion braucht, ergibt sich aus ihrem Anforderungsprofil.

Wie fließen Testergebnisse in eine Personalentscheidung ein?

Ein Test zum Denkvermögen ist ein Baustein der Eignungsdiagnostik, kein Ersatz für sie. Bezugspunkt ist das Anforderungsprofil der Funktion: Was ist dort zu erledigen, zu entscheiden und zu bewältigen? Erst daran lässt sich beurteilen, ob ein Ergebnis für die konkrete Aufgabe genügt. Ein Auswahlprozess für Führungskräfte verbindet deshalb mehrere Perspektiven, etwa ein Gespräch, eine fachliche Beispielaufgabe, die Reflexion von Führungssituationen und ein Persönlichkeitsassessment mit Rückmeldung.

Was ein Test misst, was ein Interview zeigt und was aus beobachteter Arbeit bekannt ist, bleibt dabei unterscheidbar. Widersprüche werden geprüft, statt zu einem scheinbar eindeutigen Einzelwert verrechnet zu werden. Zum Verfahren gehört ein Rückmeldegespräch mit der Person.

Testergebnisse zum Denkvermögen sagen eher etwas über Potenzial als über Leistung. Potenzial ist das Lernvermögen eines Menschen in Bezug auf berufsrelevante Erfahrungen, also die Fähigkeit, in unbekannten Situationen Leistung zu bringen. Im Kompetenzmodell, das transformis für die Einschätzung von Führungskräften beschreibt, gehören Merkmale wie Komplexität, Zusammenhänge erkennen, kritisches Denken und Problemlösen zum Potenzialfaktor mentale Agilität. Ein hoher Testwert sagt deshalb noch nichts darüber, wie jemand die heutigen Aufgaben tatsächlich bewältigt. Den Unterschied zwischen Leistung und Potenzial beschreibt ein eigener Beitrag.

Was kann ein Test zum Denkvermögen nicht zeigen?

Er sagt nichts über Persönlichkeit, Werte und Motivation, über Verhalten unter Belastung oder über Führungsverhalten im Alltag. Dafür gibt es eigene Verfahren und Perspektiven, etwa ein Persönlichkeitsassessment oder ein 360-Grad-Feedback. Er zeigt auch nicht, wie gewissenhaft jemand arbeitet, und gerade das kann ein niedrigeres Ergebnis ausgleichen.

Außerdem gelten Normwerte immer für ein bestimmtes Verfahren und eine bestimmte Normgruppe. Aktuelle Normen und rechtliche Voraussetzungen müssen für das gewählte Verfahren gesondert geprüft werden. Vor dem Einsatz werden die Entscheidungsfrage, die Verfahrensauswahl, die qualifizierte Durchführung, die Rückmeldung und der Umgang mit personenbezogenen Ergebnissen vereinbart.

Worauf beruht dieser Beitrag?

Grundlage sind zwei Vorlagen für Ergebnisberichte aus der Personaleinschätzung von transformis (Kognitive Fähigkeiten, V 1.1): ein Bericht zum schlussfolgernden Denken und ein Bericht zum strategischen und taktischen Denkvermögen. Die Angaben zu Normgruppen und Punktbereichen stammen aus diesen Vorlagen und gelten für die dort beschriebenen Verfahren. Die Einordnung in den Auswahlprozess folgt den bestehenden Seitentexten von transformis zu Eignungsdiagnostik, Anforderungsprofilen und Potenzialeinschätzung.

Stand: Fachlich verantwortet: Kira Rempel, Senior Consultant | Leitung Kompetenzteam Personal

Häufige Fragen

Was sind kognitive Fähigkeiten?

Fähigkeiten des Denkens: Probleme lösen, verborgene Zusammenhänge erkennen und aus Informationen vertretbare Schlüsse ziehen. In der Personalauswahl werden sie mit Tests erfasst, etwa zum schlussfolgernden Denken oder zum strategischen und taktischen Denken.

Wie wichtig sind kognitive Fähigkeiten für die Arbeitsleistung?

Nach den Ergebnisberichten, die transformis verwendet, ist die Fähigkeit, verschiedene Typen von Problemen zu lösen, die Eigenschaft mit der größten Bedeutung für die Leistung am Arbeitsplatz. Ihr Einfluss ist umso größer, je komplexer die Aufgabe ist.

Was bedeutet ein niedriges Testergebnis?

Die Person hat wahrscheinlich Schwierigkeiten mit Aufgaben, die logisches Schlussfolgern voraussetzen, und braucht mehr Zeit, um Aufgaben zu lernen. Ein gewissenhafter Arbeitsstil kann das ausgleichen. Ob das Ergebnis für die Funktion reicht, zeigt erst der Abgleich mit dem Anforderungsprofil.

Was ist der Unterschied zwischen strategischem und taktischem Denken?

Strategisches Denken bewertet Geschäftspraktiken aus langfristiger Perspektive und erkennt, wie Trends und Innovationen die Zukunft beeinflussen. Taktisches Denken zieht aus vorhandenen Daten vertretbare Schlüsse, löst kurzfristige Probleme nacheinander und erkennt Hindernisse bei der Umsetzung. Zusammen ergeben beide das kritische Denken.

Was ist eine Normgruppe?

Die Vergleichsgruppe, an der ein Testergebnis eingeordnet wird. Beim schlussfolgernden Denken gilt ein Ergebnis als durchschnittlich, wenn es im Bereich der mittleren 68 Prozent der Normgruppe liegt. Beim Verfahren für Führungskräfte besteht die Norm laut Bericht aus MBA-Studierenden, Bewerberinnen und Bewerbern für leitende Funktionen sowie Leitungs- und Führungskräften.

Reicht ein Test zum Denkvermögen für eine Auswahlentscheidung?

Nein. Ein Test ist ein Baustein der Eignungsdiagnostik. Maßgeblich ist der Abgleich mit dem Anforderungsprofil, ergänzt um Gespräch, fachliche Beispielaufgabe, Persönlichkeitsassessment und ein Rückmeldegespräch. Persönlichkeit, Motivation und Führungsverhalten misst ein Test zum Denkvermögen nicht.

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